Von der Gründung über die Entwicklung, bis hin zum heutigen Tag

Am 15. Oktober 1895 mietete der Korbmacher Adolf Niehaus (geb. am 02.09.1854) eine Werkstatt mit Laden in Lemgo, .Slaver Bauernschaft Nr.7. (Slaver Bauernschaft nennt sich Heute Mittelstraße) Dort eröffnete er eine Sieb- und Korbmacherei und legte damit den Grundstein zu einem Unternehmen, das Heute noch geführt wird.

Im Jahre 1900 erwarb Adolf, in der Mittelstraße, zwei Grundstücke mit den draufstehenden Gebäuden. Das vordere Haus, in dem vorher ein Pferdeschlachter sein Handwerk betrieben hatte, ließ er abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Mit dem Neubau entstand ein Laden von 60qm Fläche und 3 großen Schaufenstern.

Adolf und seine Frau Johanna hatten drei Kinder, Adolf, Friedrich und Minna. Deren Sohn Friedrich hatte von 1900-1902 als Infanterist in Paderborn seinen Wehrdienst abgeleistet und anschließend ging er als Korbmachergeselle auf Wanderschaft. 1909 begegnete er sein Glück in Gestalt von der Tochter des Müllers von Büllinghausen. Helene Meier-Ernst und Friedrich Niehaus schlossen am 16.September 1910 den Bund fürs Leben. Im Oktober 1911 kam Tochter Hanna zur Welt, 1923 erblickte Sohn Fritz das Licht der Welt.

Adolf Niehaus, der Gründer, führte sein Geschäft weiter, bis er am 29.Januar 1929 Haus und Geschäft an seinen Sohn Friedrich übertrug. Der Kaufpreis betrug 2,- RM wobei Friedrich für die Versorgung seiner Eltern und Geschwister aufkommen musste. Dieses konnte ihn aber nicht daran hindern den Laden auf 80qm zu erweitern. Hinter dem Laden entstanden Räume, die der weiteren Warenversorgung dienen sollten. Zu dieser Zeit wurde das Unternehmen auch erst in das Handelsregister eingetragen, dies wiederum erklärt, das nicht der Name des Gründers, sondern der Sohn in der Firmenbezeichnung „Friedrich Niehaus Lemgo“ erscheint.

Der Gründer Adolf lebte gesund bis ins hohe Alter, er verstarb mit fast 90 Jahren, am 17.Juli 1944.

Langsam aber sicher verschob sich der Schwerpunkt des Geschäftes vom Handwerk zum Einzelhandel. Zu den Korbwaren wurde auch der Verkauf von Spielwaren aufgenommen. Ende der dreißiger Jahre war die Firma Niehaus nicht nur in Korbwaren und Kinderwagen, sondern auch im Spielzeug das führende Haus am Platz.

Frau Helene war nicht nur für die Familie da, sondern sie war auch die gute Seele im Geschäft und Tochter Hanna unterstützte ihre Mama wo sie nur konnte. Sohn Fritz ging am 1.Oktober 1945 bei seinem Vater in die kaufmännische Lehre. Eigentlich hätte in diesem Jahr das 50jährige Geschäftsjubiläum gefeiert werden können aber zum Feiern Stand nicht der Sinn. Man hatte Mühe sich mit dem Verkauf von Munitionskisten und Schränkchen aus der Lemgoer Möbelindustrie über Wasser zu halten. Der Eintritt der dritten Generation ins Geschäft blieb das einzige Ereignis in diesem Jahr.

1950, nach der Währungsreform, zeigten sich wieder geschäftliche Möglichkeiten. Zuerst wurden einmal der Putz des Geschäftes erneuert und die Form der Schaufenster der Zeit angepasst.

1953 verstarb plötzlich Helene Niehaus. Ihr Tod erschütterte Friedrich so sehr, das er am 1.Januar 1954 Haus und Geschäft an seinen Sohn Fritz übertrug.

Fritz, jung mit Gerda geborene Grotebrune verheiratet, hatte sofort nach der Übernahme des Geschäftes, sich der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kinderwarenhändler eGmbH (ARDEK) angeschlossen. 1956 baute er das Geschäfthaus ein weiteres Mal um. Nach nur drei Monaten stand das Haus mit neuem Gesicht da : Sieben neue Schaufenster wurden erbaut, des Verkaufsraum wurde auf 160qm vergrößert und mit neuer Einrichtung ausgestattet. Außerdem wurde, um einen Zugang ohne Stufen zu schaffen, der Boden um 2 Stufen tiefer gelegt. In der Eröffnungsanzeige hieß es : „Das modernste Spielwaren-Fachgeschäft in Lippe“.

Die Entwicklung des Geschäftes stieg in die Höhe und machte es möglich 1958 Anschluss an eine weitere Einkaufsgenossenschaft, die VEDES (Vereinigung der Spielwarenfachgeschäfte), zu finden und das wiederum ermöglichte Fritz und Gerda , ihren Kunden ein noch größeres und günstiges Spielwarensortiment anzubieten. Die Folge dessen war, das wieder alles zu kleine war und somit wurde das Geschäft 1962 ein weiteres Male umgebaut. Doch diesmal dauerte es fast 10 Monate, bis der große Umbau fertiggestellt wurde. 150qm Tiefgeschoss unter dem stehenden Gebäude wurde ausgeschachtet, neue Fundamente, eine Aufzuganlage bis ins Dachgeschoß (Lager), Räume für Büro und Warenannahme und weitere fünf Schaufenster in der Nebenstraße entstanden. 300qm Verkaufsfläche hatte das Geschäft nach dem Umbau vorzuweisen.

1964 wurde eine Abteilung für Babyausstattung und Kinderbekleidung geschaffen, die Frau Gerda inzwischen drei Kinder (Bärbel, Jutta und Detlev), die gute Seele des Geschäftes führte.

1967 erlitt die Familie ein schmerzlichen Verlust: Am 25.April starb der Vater von Fritz., Friedrich Niehaus im Alter von 87 Jahren.
Noch im gleichen Jahr, ergab sich die Möglichkeit, im Nebenhaus weitere Räume anzumieten, welche die Abteilung Kinderbekleidung zusammen mit dem Puppen-Sortiment aufnehmen konnte und für das übrige Sortiment wiederum Platz schafften.

1970 wurde die Front zur Mittelstraße neu gestaltet, eine Eingangs-Passage wurde gebaut und mit dieser, die erste automatische öffnende Eingangstür.
In diesem Jahr wurde auch das 75jährige Geschäftsjubiläum gefeiert.

1974 wird die Waren -ahnahme und -auszeichnung in neu angemieteten Räumen in der Nebenstraße verlegt, die Büroräume in das Obergeschoß und so konnte der Verkaufsraum um weitere 50qm erweitert werden (Gesamtfläche nun 350qm).

1978 wird die Einzelfirma in die Rechtsform der GmbH überführt.

1980 erwirbt die Firma einen IBM Computer mit dem dazugehörigen Warenwirtschaft Programmen und Computerkassen. Zur damaligen Zeit war dies noch ein wahres Ereignis denn nicht jedes Geschäft hatte die Möglichkeit Ware mit einem Scanner einzulesen, Unterlagen für die Disposition zu drucken usw. Obgleich der Rechner damals gebraucht gekauft wurde, ist dies aus heutiger Sicht eine gewaltige Investition gewesen.

1982 mußte das alte marode Dach des Hinterhauses nach 100 Jahren erneuert werden. Diese Gelegenheit wurde genutzt, das Haus wurde um ein Stockwerk aufgestockt und somit bietet diese Etage mit dem Dachgeschoß ein großzügiges Lager.

Nach Abschluß der Realschule, der Höheren Handelsschule und nach einer Ausbildung als Einzelhandelskaufmann, tritt Detlev Niehaus 1984 und mit ihm die vierte Generation in das Geschäft ein.

Nach monatelanger Krankheit ist im Mai 1986 Frau Gerda Niehaus viel zu früh verstorben. Mit ihr ging die gute Seele des Geschäftes, die Warengruppe Kinderbekleidung und überhaupt hinterließ sie eine große Lücke im Hause Niehaus.

1991, nach 10 Jahren, wird der IBM – „Methusalem“ außer Dienst genommen und mit dem Warenwirtschaft -System „Spiwas PC“ ersetzt. Der PC war damals ein AT 386, wobei die Kassen mit 286 Rechner ersetzt wurden. In diesem Jahr hat Detlev auch die Ausbildung als Einzelhandels Fachwirt abgeschlossen.

Zum 1. Juli 1993 wird der Junior, Detlev Niehaus als weiterer Geschäftsführer berufen.

1994 übernimmt die Firma das neue Erscheinungsbild eines Vedes-Fachgeschäftes. Aus „Haus des Kindes“ wurde „Spiel und Freizeit Niehaus“. Die Leuchtschrift am Haus entlang wurde erneuert. Außerdem wurde die Inneneinrichtung und der Fußboden der Verkaufsfläche komplett ausgetauscht und auch die Beleuchtung im Geschäft wurde modern und zweckgerichtet erneuert.

1995 wurde die Waren -anahme und –auzeichnung in einem Nachbarhaus, welches 1968 gekauft wurde, verlagert. In diesem Jahr blickte Fritz Niehaus nicht nur auf seine 50jährige Berufstätigkeit zurück, sondern feierte er das 100jährige bestehen der Firma Niehaus. Mit Stolz kann zum Ausdruck gebracht werden :
>„100 Jahre jung“ „100 Jahre Leistung“ 100 Jahre Spiel und Freizeit Niehaus <

Nach 10 Jahren ohne weibliche Führungskraft, tritt 1996 Claudia Beckmeier, Lebensgefährtin von Detelv Niehaus mit in die Firma ein. Mit ihr geht die Firma neue Wege. Der Geschenkartikel Bereich wird erweitert, neue Lieferanten kommen hinzu und bei bestehende Lieferanten werden die Sortimente neu gestaltet.

Am 01.Januar 2002 übertrug Fritz Niehaus Haus und Geschäft an seinem Sohn Detlev. In diesem Jahr steigt die Firma auf eines neues Warenwirtschaft Programm, welches die VEDES entwickelt hat, um. Mit diesem Programm werden auch die alten AT 268 Kassen gegen Logware Kassen ausgetauscht.

Nachdem ich die letzten 100 Jahre, die Entwicklung der Firma Niehaus hier nieder geschrieben habe und ich dazu auf meine 10 Jahre Betriebszugehörigkeit zurück blicke, kann ich sagen, das sich unser Geschäft mit seiner eigenen Entwicklung und Wandlung sich den Veränderungen des Handels und der Zeit angepasst hat. Veränderungen der letzten 10 Jahre lassen sich hier nicht alle nieder schreiben, es sind eher die Veränderungen in den Sortimenten …
Früher, in 100 Jahren Niehaus, war das Spielzeug noch das womit wir, du und ich gespielt haben. Heute ist es nicht mehr der Puppenwagen, der Tecker, die Legosteine usw. die ganz oben auf den Wunschlisten unserer Kinder stehen. Heute sind es ganz andere Dinge die sich die Kinder wünschen und Morgen, ja Morgen werden es wieder andere sein. Das Spielwarensortiment ist Schnelllebiger geworden und diese Schnelllebigkeit heißt für uns, immer auf den neusten Stand zu sein. Das Ganze ist mit mehr Arbeit verbunden aber es ist Arbeit, die uns, meinem Mann, unserem Sohn Nils und auch mir Spaß machen.

Wir befinden uns in einer Zeit, in der die Innenstädte einen starken Strukturwandel, Filialisierung mit sich bringen. Insgesamt besteht eine gewaltige Fluktuation im Handel. Der Druck der Verbrauchermärkte in das Spielwarensortiment und auch in anderen Sortimenten, machen es den Einzelhändlern nicht leicht, dazu kommen die „grünen Wiesen“ die bei Kunden immer beliebter werden. In diesem Umfeld sind alteingesessene Geschäfte rar geworden aber zu denen die sich noch als leuchtende Fixpunkte der Innenstädte erweisen, gehört auch die Firma Spiel und Freizeit Niehaus und daher blicke ich und meine Familie stolz zurück,
zurück auf 111 Jahre Niehaus !